Medizinische Wirkung von Schlick

Heilerde des Meeres
Heilerde des Meeres

Warum heilt Meerwasser Wunden?

Schon seit langer Zeit gilt der gute Rat: Geh ins Meer, dann heilt die Wunde ohne Entzündung zu!
Dass dem so sei, wird von der Medizin nicht bezweifelt. So führte Prof. Dr. Torsten Zuberbier, Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité in Berlin, aus, dass Schürfwunden und Ekzeme gut beim Urlaub an der Ostsee oder Nordsee heilen.
„Warum das so ist, konnte bisher nicht geklärt werden“, setzt er hinzu, „aber es ist ein Lichtblick für alle, die in den Urlaub an die See fahren“.


Diese Empfehlung ist nach aktuellen Erkenntnissen deutscher und amerikanischer Forscher, unter ihnen Jonathan Jantsch von der Universität Regensburg und Jens Titze von der Vanderbilt University Nashville, jetzt kein Mythos mehr. Die Autoren haben in der Zeitschrift Cell Metabolism 21, 3. März 2015, S. 493 – 501, unter dem Titel: Cutaneous Na+ Storage Strengthens the Antimicrobial Barrier Function of the Skin and Boosts Macrophage-Driven Defense wissenschaftlich nachgewiesen, dass eine erhöhte Salzzufuhr die Fähigkeit entzündeter Haut verbessert, sich gegen bakterielle Erreger zu wehren.

 

Wie wirkt Salz in infizierten Wunden?

Während hoher Salzkonsum in der Nahrung als ungesund gilt, besitzt Meerwasser bzw. Salzwasser offensichtlich eine Schutzfunktion gegen bakterielle Entzündungen der Haut. So fanden die Wissenschaftler heraus, dass in infizierter menschlicher Haut gehäuft Salz zu finden ist. Dieses sorgt für eine hypertone Umgebung, die mit einer wachsenden Produktion des Enzyms NO-Synthase (Enzym, das für die Produktion von Stickstoffmonoxid verantwortlich ist) einhergeht. Dieses Enzym wird in den Makrophagen, den Abwehrzellen der Haut, gebildet. Es stellt ausgehend von einer körpereigenen Aminosäure das gasförmige Molekül Stickstoffmonoxid her, welches Bakterien zerstört und damit bakterielle Infektionen beseitigt. Dieser Vorgang lässt sich mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung beim Menschen vergleichen.

Wie sind die Wissenschaftler zu diesen Erkenntnissen gelangt?


Im Rahmen ihrer Forschungen war den Wissenschaftlern bereits früher aufgefallen, dass die Haut mit zunehmendem Alter wachsende Mengen des Salzbestandteils Natrium speichert – aus welchem Grund, war damals offen geblieben. Auf der Suche nach einer Erklärung für dieses Phänomen fanden Jantsch und seine Kollegen jetzt die Begründung.

Erste Indizien lieferten dabei Untersuchungen bei Patienten mit Hautinfektionen. Sie fanden in den von Bakterien befallenen Hautschichten der Betroffenen sehr viel mehr Natriumionen als in ihrer unversehrter Haut. Nach erfolgreicher Behandlung der Infektion ist der Salzüberschuss in dem entzündeten Gewebe dann wieder verschwunden. Aus dieser Beobachtung schlossen die Wissenschaftler, dass die lokale Anreicherung von Natriumionen dazu dient, die Keimabwehr zu verbessern. Um ihre Hypothese zu überprüfen, verfolgten sie die Wundheilung bei Mäusen, denen sie zwei Monate lang teilweise viel und teilweise wenig Salz ins Futter gemischt hatten. In der Tat heilten die infizierten Pfoten der mit Salz gefütterten Mäuse sehr viel besser ab als die der anderen Tiere. Natriumsalze, die sich in infizierten Hautwunden
konzentrieren, verstärken signifikant die Aktivität des Enzyms der NO-Synthase in den Makrophagen der Haut und vermögen damit, bakterielle Infektionen wirksam zu bekämpfen.